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 Betreff des Beitrags: Der Bologna-Prozess
BeitragVerfasst: Di 1. Dez 2009, 17:09 
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Name: Frank Drewello
Um die Diskussion zu beginnen, stelle ich hier verschiedene Thesen auf und greife dazu einzelne Punkte auf:

Der Bologna-Prozess
Im Jahre 1999 wurde von 46 europäischen Staaten die Vereinbarung getroffen, einen Europäischen Hochschulraum aufzubauen. Zum Zeitpunkt dieser Vereinbarung war Edelgard Bulmahn (SPD) Bundesbildungsministerin.

Wer ist alles dabei?
Albanien, Andorra, Armenien, Aserbaidschan, Belgien (flämische und französische Gemeinschaft), Bosnien und Herzegowina, Bulgarien, Dänemark, Deutschland, die "ehemalige jugoslawische Republik Mazedonien", Estland, Finnland, Frankreich, Georgien, Griechenland, der Heilige Stuhl, Irland, Island, Italien, Kroatien, Lettland, Liechtenstein, Litauen, Luxemburg, Malta, Moldau, Montenegro, Niederlande, Norwegen, Österreich, Polen, Portugal, Rumänien, die Russische Föderation, Schweden, Schweiz, Serbien, Slowakische Republik, Slowenien, Spanien,, ,Tschechische Republik, Türkei, Ukraine, Ungarn, Vereinigtes Königreich und Zypern.
Weitergehende Informationen findet man z.B. hier: http://www.bmbf.de/de/3336.php

Grundsätzlich, ohne direkten Bezug zum Inhalt der Vereinbarung:
Ist es für Deutschland sinnvoll, Studiengänge mit 46 anderen Staaten zu nivellieren?
Ein Land, das ohne nennenswerte Rohstoffe, schon immer auf „das Wissen“ gebaut hat, gleicht seinen Ausbildungen mit vielen anderen Staaten ab. Das Land der Dichter und Denker, das Land mit weltweit anerkannten Ingenieuren die den Begriff „Made in Germany“ geformt haben, verzichtet auf einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil bei der Globalisierung.

Es ist wichtig, dass die Ausbildungen unserer Studenten europa- und weltweit Anerkennung finden.
Ist es wichtig, dass sich diese Anerkennung aus dem Wissenstand, aus der Kreativität und aus dem guten Ausbildungsstand erwächst?
Oder ist es wichtig, dass die Abschlüsse / Urkunden anerkannt werden?

Wie seht Ihr das?

Danke + Gruss
Frank


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 Betreff des Beitrags: Re: Der Bologna-Prozess
BeitragVerfasst: Mi 2. Dez 2009, 22:03 
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Hallo Frank,

eine gegenseitige Anerkennung von Abschlüssen (d.h. der Urkunden) ist wichtig.

Ein Beispiel: Ich habe in Karlsruhe Informatik studiert. Zur Zulassung zur Promotion an der ETH Zürich musste ich dann noch eine Zusatzprüfung ablegen, weil ich zu wenig 'technische Informatik' gelernt hatte.

Allerdings brauche ich dazu keinen Bologna Prozess. Bereits heute gibt es offizielle Listen, welche Abschlüsse wo anerkannt werden.

Ebenso wichtig ist die 'informelle' Anerkennung der Abschlüsse. Und die wird durch Qualität erreicht, nicht durch bürokratische Regeln wie den Bologna Prozess. Kaum jemand wird den Wert eines Abschlusses z.B. der "Universität Cambridge" anzweifeln.

Der Bologna Prozess ist vielleicht dazu geeignet berufsbezogene Abschlüsse zu regeln. Es ist wesentlich, dass ich als Arbeitgeber weiß, dass ein Absolvent bestimmte Inhalte gelernt hat. Ein Chemiker, der ein Labor leiten soll, muss die einschlägigen Vorschriften und Vorgehensweisen kennen. Ein Informatiker, der IT-Leiter werden will, muss die rechtlichen Grundlagen kennen (z.B. Datenschutz).
Ein Autofahrer muss wissen wer Vorfahrt hat.

Die Universität hat aber nicht das vorrangige Ziel einen Beruf zu lehren.
An der Universität lernt ein Student neben den theoretischen Grundlagen seines Fachgebietes viele aktuelle Ergebnisse, teilweise direkt aus der Forschung. Er lernt zu denken, Wissen kreativ einzusetzen und neue Ergebnisse zu erreichen. Dazu braucht er Freiheit das zu lernen was ihn interessiert, die notwendige Zeit und natürlich die Möglichkeit es zu tun.
Lasst den Studenten diese Zeit und die Möglichkeit.

Grüße

tilo


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 Betreff des Beitrags: Re: Der Bologna-Prozess
BeitragVerfasst: Mo 2. Aug 2010, 11:44 
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Name: Frank Drewello
Hallo Zusammen,

und es bewegt sich doch . . .
Ich habe in obigen Artikel geschrieben:
Zitat:
Ist es für Deutschland sinnvoll, Studiengänge mit 46 anderen Staaten zu nivellieren?
Ein Land, das ohne nennenswerte Rohstoffe, schon immer auf „das Wissen“ gebaut hat, gleicht seine Ausbildungen mit vielen anderen Staaten ab. Das Land der Dichter und Denker, das Land mit weltweit anerkannten Ingenieuren die den Begriff „Made in Germany“ geformt haben, verzichtet auf einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil bei der Globalisierung.


Zu dieser Einsicht sind jetzt auch andere gekommen:
Zitat:
Zehn Jahre nach Einführung der Bachelor- und Master-Studiengänge kehren die neun führenden Technischen Hochschulen in den Ingenieurfächern zum Diplom-Abschluss zurück
und weiter
Zitat:
Bundesbildungsministerin Annette Schavan sagte: "Der Diplom-Ingenieur hat in der Welt einen sehr guten Ruf. Es ist deshalb ein Zeichen von Selbstbewusstsein, neben dem internationalen Master-Abschluss auch diesen Titel zu vergeben."
Der ganze Artikel ist hier zu finden: N-TV

Gleichmacherei auf niedrigem Niveau ist der falsche Weg. Was hat uns da Edelgard Bulmahn (SPD) nur eingebrockt. 10 Jahre Irrwege.

Gruss Frank


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